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Freizeit und Tourismus

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Freizeit und Tourismus

Entdecke spannende Radtouren oder Bikerouten!

Rückblick – 6. Velo-Kultour zum Thema “Natur – Retour”

Wussten Sie, dass es im Kanton Zug Krebse gibt? Oder der Biber ein Fisch sein soll?  Doch fangen wir von vorne an. Die diesjährige Velo-Kultour von Pro Velo Zug Anfang Juli „Natur-Retour“ nahm uns mit auf eine Velofahrt zum Thema Renaturierung. Davon sind in unserem Kanton in den letzten Jahren viele entstanden, ein paar wenige wurden auf der gemütlichen Velotour bei herrlichem Sonnenschein erradelt. Treffpunkt war diesmal direkt an der ersten Station, nämlich neben der neu eröffneten Tangente. Bei dieser erklärte uns Andres Bucher der Abteilung Wasserbau vom Tiefbauamt der Baudiktion Zug die Entstehung der neusten Renaturierung im Kanton. Grund waren, wie wir es gerade aktuell erleben, in zu kurzer Zeit zu viel Wasser, aber auch die Kompensation von Landfläche. Daher wurden eingedolte Bäche wieder ans Licht gebracht, verbreitert und hier auch mit einem Schutzwall versehen. So entsteht ein Hochwasserschutz der ein so genannt Hundertjähriges Hochwasser fassen könnte. Beim Bau wurden sogar 600 Steinkrebse überwintert, die im Schlick um die Bäche ausgegraben wurden. Jetzt können sie sich im neuen Revier einnisten. Für die Fische, Krebse und Insekten braucht es viele Pflanzen und Nischen gebaut mit Steinen. Schattenspendende Bepflanzung ist für Dürrezeiten wichtig, ebenfalls Vertiefungen gefüllt mit Wasser. Neu eingebrachtes Sediment muss dafür alle paar Jahre aus den Sedimentbecken ausgebaggert werden. Wir sind gespannt, wie es in 5 Jahren neben der Tangente aussehen wird. Es sollen dann laut Andres Bucher auch gelbe Seerosen blühen!

Nach den spannenden Informationen ging es via Baar-Steinhausen zum «neuen» Bibersee. Hier entstand, nach der Trockenlegung des einstigen Bibersees im 19. Jahrhundert, das idyllische neue Biotop. Der ursprüngliche Gletscherrandsee von rund 41`000 m2 verlandete nach und nach, daher war dieser Fleck prädestiniert für neues Riedland. Das geerntete Streu wurde für die Kühe im Stall benötigt, die damals die Milch in grossen Mengen für die Anglo-Swiss Condensed Milk lieferten. Nun stehen wir also an diesem bezaubernden See, der 2015 eingeweiht wurde. Herr Raymund Gmünder war von Anfang an mit dabei und seine Begeisterung ist zu spüren. Der Verein Lebensraum Landschaft Cham entwickelte die Idee zur Renaturierung des Gebietes ab 2008. Ein Monitoring der Fauna und Flora findet regelmässig statt, um die Veränderungen und Fortschritte zu erfassen. 2013 zählte man 34 Vogelarten, 2017 waren es schon 55! 17 Arten von Libellen wurden vor Ort gesichtet, Amphibien sowie Wildtiere werden ebenfalls beobachtet. jetzt hofft man noch auf den Biber. Eine neue Erfolgskontrolle wird ca. in einem Jahr stattfinden, denn seit 2020 fliesst das Abwasser der nahen Autobahn nicht mehr in dieses Gewässer. Dass der verlandete und trocken gelegte See auch noch viele archäologische Funde aus dem Mittelalter hervorbrachte, entlockte den Zuhörern eine zusätzliche Verwunderung. Der bis jetzt rund zu einer Hälfte ebenfalls renaturierte, abfliessende Tobelbach besichtigten wir auf der Fahrt Richtung Rumentikon.

Schon befanden wir uns auf der letzten Etappe der Velofahrt, diese ging rasant hinab nach Hagendorn und direkt zur Lorze. Dort kamen endlich die Biber zur Sprache, weswegen insbesondere die zwei tapfer mitgeradelten Kinder dabei waren. Biber in der Natur und am helllichten Tag  zu beobachten ist eher ausgeschlossen, daher durften sie wenigstens ein echtes Biberfell auf ihrem Rücken balancieren. So sahen die Erwachsenen wie gross ein Biber doch sein kann! Frau Marianne Rutishauser von Pro Natura Aargau und Zug konnte uns anhand ihrer mitgebrachten Utensilien den Biber und seine Lebensart bestens vermitteln. So war der Biber im 19. Jahrhundert ausgerottet. Sein Fell diente zur Herstellung des Kastorhutes, welcher in Mode kam. Sein Fleisch, welches wegen seines schuppenartigen Schwanzes offiziell als Fischfleisch galt, fand in der Fastenzeit viele Abnehmer und sogar sein Sekret, das Bibergeil, welches er zur Fellpflege und Reviermarkierung benutzt, wurde für verschiedene Gebrechen eingesetzt. Umso schöner ist es, dass dieses Tier bei uns wieder heimisch ist. Er gilt als Baumeister und schafft sich so mehrere Wohnungen auf verschiedenen Höhen, denn der Wasserpegel ändert sich ja bekanntlich stetig. Dadurch trägt er zu einer vielfältigen Feuchtgebietslandschaft für viele andere Tierarten bei. Sicher werden die Teilnehmer in Zukunft vermehrt versuchen, ein Wohnrevier einer Biberfamilie zu entdecken. Hoffentlich bald auch am Tobelbach!

So entstand auf dieser Fahrt wiederum ein vielfältiger Einblick in ein neues Thema. Wir danken allen Teilnehmenden und Referenten für die begeisternden Stunden! Das Wetterglück ist schon fast gebucht, daher wird die nächste Velo-Kultour für Samstag, 2. Juli 2022 zu einem weiteren Thema geplant.

Weiterführende Literatur und Links:

Renaturierung Tangente: https://tangente-oeffnet.ch/buch

LLC: landschaftcham.ch

Bibersee: https://www.chamapedia.ch/wiki/Bibersee,_Gewässer

Archäologie Bibersee auf e-periodoca.ch: – Tugium 33/2017, Artikel Fische im Flechtwerk/mittelalterliche Reusen; Seite 129-152. Tugium 31/2015, Artikel: Amt für Denkmalpflege und Archäologie, Seite 34-36.

Biber Pro Natura: https://www.pronatura.ch/de/biber-lexikon

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